Archiv für August 2020

Auswertung zur Umfrage Umbenennung „Mohrenstraße“

Anfang Juli 2020 hatte das Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und Neonazis Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, der Initiative ihre Meinung zu einer eventuellen Umbenennung der Mohrenstraße mitzuteilen. Damit wollten wir in unserer Stadt eine Debatte über Rassismus anstoßen, was uns offensichtlich gelungen ist. Wir bedanken uns ausdrücklich bei allen Einsendern, die uns ihre Meinung geschrieben haben!
Zum Ergebnis der Befragung: An der Umfrage beteiligten sich 44 Bürgerinnen und Bürger. Davon waren 24, also 55% für eine Umbenennung der Mohrenstraße, 20, das heißt 45%, stimmten für die Beibehaltung des bisherigen Namens.
Die Haushalte und Firmen in der Mohrenstraße wurden von uns direkt angeschrieben. Rückmeldungen von den Bewohnerinnen und Bewohnern waren für uns nicht erkennbar
Als neuer Namen wurde häufiger vorgeschlagen Papiergässle. So hieß die Straße bis 1894, benannt nach der dortigen Papiermühle. Mehrere Nennungen erfuhr auch der Name Gerbergässle.
Weitere Vorschläge waren: Jallohstraße. 2005 verbrannte der Asylbewerber Oury Jalloh unter zweifelhaften Umständen in einer Dessauer Polizeizelle. Auch Amadeu Antonio, der aus Angola stammende Vertragsarbeiter wurde eines der ersten Todesopfer rechtsextremer Gewalt nach der deutschen Vereinigung, wurde als Namensgeber benannt. Ein anderer Vorschlag war: Martin-Luther-King-Straße. Der US-Bürgerrechtler wurde 1968 von einem Rassisten erschossen. Eine-Welt-Straße wurde genannt. Ein Einsender schlug Hererostraße vor, um den Menschen zu gedenken, die unter dem deutschen Kolonialismus in Afrika am meisten zu erleiden hatten. Andere Ettlinger meinten, dass die Straße nach Georg Lechleiter, dem im KZ ermordeten Widerstandskämpfer gegen den Hitler-Faschismus, nach dem nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst die Straße benannt war, die 1951 in Karl-Springer-Straße umbenannt wurde. Auch der Vorschlag Möhrenstraße kam. Begründung dafür, Kosten zu sparen.
Einigen Personen sind auch Zusatzschilder wichtig, die erklären sollen, warum der Name Mohrenstraße geändert wurde, und die den neuen Namen erklären.
Zitate aus den Zuschriften (Pro):
„Papiergässle klingt eher badisch!“
„Die Tage der Mohrenstraße sollten gezählt sein!“
„Eigentlich sollte es ohne einen solchen Aufruf klar sein, dass so ein Straßennamen nicht okay ist!“
„Die Umbenennung ist ein zwar kleiner aber signifikanter Schritt, um die aktuelle Sichtweise auf historische Ereignisse zu ändern!“
„Ich find euren Einsatz gegen Rassismus bewundernswert!“
„Ich würde eine Umbenennung gutheißen und befürworten!“
„Den Namen so stehen zu lassen ist rücksichtslos und normalisiert den rassistischen Begriff!“
„Eine Umbenennung trägt dazu bei, das Thema ins Bewusstsein auch der nicht betroffenen Mitbürger zu rücken. Diese Problematik zu bagatellisieren, bedeutet wegzuschauen!“
„Begriffe müssen immer wieder gesellschaftlich hinterfragt werden!“
„Ettlingen ist in punkto Rassismus kein Hort der Glückseligkeit. Die Aussage, die Kirche im Dorf zulassen, zeigt, wie notwendig die Diskussion ist!“
„Mohr ist ein diskriminierender Begriff!“ „In der Schule wird nicht genug über die deutsche Kolonialzeit gesprochen!“
„Ein wichtiger Schritt gegen den alltäglichen Rassismus und zur Aufklärung über das gerne verschwiegene Tabuthema des unsäglichen deutschen Kolonialismus!“
„Es wird höchste Zeit, dass sich Ettlingen von rassistischen Begriffen befreit!“
„Sofort umbenennen!“
„Als Straßenname wurde er vergeben zum Zeitpunkt und zum Ausdruck rassistischer Gesinnung als Unterstützung gewalttätiger deutscher Eroberungs- und Unterwerfungspolitik.“
„Sprache prägt Bewusstsein. Das Verbannen solcher eindeutig rassistischer Begriffe verhindert nicht Rassismus, ist aber ein guter Anfang, dieses massive Problem endlich einmal anzugehen!“
Zitate aus den Zuschriften (Contra):
„Mit der falschen Annahme, es würde sich bei Mohr um Rassismus handeln, erreichen Sie das genaue Gegenteil, Sie befeuern Rassismus!“
„Althergebrachte und positiv besetzte Begriffe müssen erhalten bleiben!“
„Für mich ist das eine Erinnerung an das damalige Hotel. Man sollte es dabei auch belassen!“
„Viele Menschen haben diese ständigen Belehrungen über politische Korrektheit satt.“
„Schämt euch, die Straße umbenennen zu wollen!“
„Wahrer Rassismus findet in den Köpfen derer statt, die den Namen einer Straße mit Rassismus in Verbindung bringen!“
„Ich persönlich denke da nicht an Rassismus, vielmehr an Kinderbücher!“
„Für mich war das frühere Gasthaus Drei Mohren eine beliebte Begegnungsstätte! Es war keinerlei Beigeschmack!“ „Teil der Ettlinger Geschichte!“
„Mit Rassismus hat das nichts zu tun. Das Leugnen von Rassen bedeutet, die Realität den jetzigen Vorstellungen anzupassen!“
„Vermutlich beneiden uns viele Länder darum, dass wir keine größeren Probleme haben als das Umbenennen von Straßen!“
„Müssen wir auch unseren Familiennamen ändern?“
„Mohrenstraße kommt aus dem Brauchtum, nicht aus dem Rassismus des Imperialismus!“
„Das erinnert mich doch sehr an stalinistische und maoistische Diktaturen, in denen alles Unliebsame einfach ausradiert wurde. Als nächstes steht dann möglicherweise für diejenigen Deutschen, die immer noch Mohr sagen, ein Umerziehungslager an?“
„Ich denke, der Begriff Mohr ist ein Wort aus dem alten Sprachgebrauch und kein Schimpfwort oder Diskriminierung!“
„Purer Aktionismus! Glauben Sie allen Ernstes, dass ein Mensch weißer Hautfarbe, der einen Menschen mit schwarzer Hautfarbe als minderwertig ansieht, durch diese Blödsinns-Aktion seine Meinung ändert?“
„Wegstreichen, ignorieren wie auch Umbenennungen fördern die allgemeine Verblödung!“
Wie Oberbürgermeister Johannes Arnold mitteilte, hält er eine Diskussion in seinem Gemeinderat für sinnvoll, wenn der Integrationsbeauftragte Thobias Pulimoottil den Stadträtinnen und Stadträten eine Stellungnahme für eine konstruktive Fortführung der Diskussion über den Namen „Mohrenstraße“ erarbeitet haben wird. Das Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und Neonazis hofft, mit den Ergebnissen der Umfrage zu einer Verbreiterung der Diskussionsgrundlage für die Debatte im Gemeinderat beitragen zu können.